Eine Dachbegrünung schützt die Dachoberfläche, speichert Niederschlagswasser, schafft Lebensraum und kann das Mikroklima verbessern. Sie ist aber kein dekoratives Substrat auf einer fertigen Abdichtung. Tragfähigkeit, Wurzelschutz, Entwässerung, Substrat, Vegetation und Pflege müssen als eigener Dachaufbau geplant werden.
- Extensive und intensive Begrünungen unterscheiden sich deutlich bei Aufbauhöhe, Gewicht und Pflege.
- Das Dachtragwerk muss Eigengewicht und wassergesättigten Aufbau sicher tragen können.
- Dachabdichtung und Wurzelschutz müssen für die Begrünung geeignet sein.
- Abläufe, Notentwässerung und Wartungswege müssen zugänglich bleiben.
- Photovoltaik und Dachbegrünung können kombiniert werden, wenn Verschattung, Wartung und Lasten koordiniert sind.
Extensive Dachbegrünung
Extensive Begrünungen besitzen eine vergleichsweise geringe Aufbauhöhe und werden mit robusten, trockenheitsverträglichen Pflanzen gestaltet. Sedum, Kräuter und geeignete Gräser sind typische Bestandteile. Nach der Anwuchsphase ist der Pflegeaufwand relativ gering, aber nicht null.
Auch extensive Dächer benötigen Kontrollen, Entfernung unerwünschter Gehölze und freie Abläufe.
Intensive Dachbegrünung
Intensive Begrünungen ähneln stärker einem Garten auf dem Dach. Grössere Substrathöhen ermöglichen Stauden, Sträucher und je nach Aufbau sogar kleine Bäume. Gewicht, Bewässerung und Pflegeaufwand steigen deutlich.
Ein intensiv genutzter Dachgarten braucht ausserdem sichere Wege, Absturzschutz und oft einen komplexeren Aufbau für Bewässerung und Entwässerung.
SIA 312
SIA 312:2013 «Begrünung von Dächern» ist weiterhin die im SIA-Shop geführte Schweizer Norm und seit November 2013 gültig. Sie behandelt Planung, Ausführung und Unterhalt von Dachbegrünungen.
Tragfähigkeit
Entscheidend ist nicht nur das trockene Gewicht. Substrat und Speicherschichten können bei Regen viel Wasser aufnehmen. Für die Statik ist deshalb der wassergesättigte Zustand relevant. Schnee kommt zusätzlich hinzu.
Bei bestehenden Dächern sollte vor einer Nachrüstung geprüft werden, welche Reserven tatsächlich vorhanden sind. Eine dünne Extensivbegrünung ist leichter als ein Dachgarten, aber trotzdem eine dauerhafte Zusatzlast.
Abdichtung und Wurzelschutz
Die Dachabdichtung liegt unter dem gesamten Aufbau und muss dauerhaft funktionieren. Nicht jede Abdichtungsbahn ist automatisch wurzelfest. Je nach System wird eine zusätzliche Wurzelschutzlage vorgesehen.
Spätere Leckagen sind unter einer Begrünung aufwändiger zu lokalisieren. Deshalb ist die Qualität der Abdichtung vor dem Begrünen besonders wichtig.
Dränage und Wasserspeicherung
Begrünungen sollen Wasser speichern, dürfen aber die Dachentwässerung nicht blockieren. Dränschichten leiten überschüssiges Wasser zu Abläufen, während Speicherelemente einen Teil für die Pflanzen zurückhalten.
Bei Retentionsdächern wird Wasser gezielt länger auf dem Dach zurückgehalten. Das ist ein eigenes hydraulisches Konzept und beeinflusst Lasten und Entwässerung.
Substrat
Normale Gartenerde ist für viele Dachbegrünungen ungeeignet. Dachsubstrate sind strukturstabil, ausreichend leicht und auf Wasser- sowie Luftspeicherung abgestimmt. Zu viel Feinanteil kann Dränage verschlechtern und Gewicht erhöhen.
Pflanzenwahl
Standort, Sonneneinstrahlung, Wind und Substrathöhe bestimmen die möglichen Pflanzen. Dächer sind oft extremer als Gärten am Boden: hohe Temperaturen, schnelle Austrocknung und starke Winde treten gleichzeitig auf.
Photovoltaik und Gründach
PV und Dachbegrünung lassen sich kombinieren. Wichtig sind ausreichende Abstände, damit Pflanzen die Module nicht verschatten und Wartungswege erhalten bleiben. Die Unterkonstruktion der PV darf die Abdichtung nicht unkontrolliert belasten.
Die Begrünung kann die Dachoberfläche gegenüber nacktem Kies kühler halten, sollte aber nicht mit überzogenen Leistungsversprechen für die PV verbunden werden. Entscheidend bleibt die konkrete Anlagenplanung.
Brandschutz und Randstreifen
Vegetationsfreie Bereiche an Rändern, Durchdringungen und technischen Aufbauten können je nach Konzept sinnvoll oder erforderlich sein. Trockene Biomasse sollte nicht unkontrolliert liegen bleiben. Pflege ist deshalb auch Teil des Brandschutzes.
Pflege
Mindestens periodische Kontrollen sind notwendig. Abläufe werden freigehalten, unerwünschte Gehölze entfernt und Vegetation beurteilt. In Trockenperioden kann selbst bei extensiven Systemen eine zusätzliche Bewässerung während der Anwuchsphase erforderlich sein.
Biodiversität auf dem Dach
Eine extensive Begrünung kann mehr sein als eine reine Sedum-Monokultur. Unterschiedliche Substrathöhen, Totholz, Kiesbereiche und heimische trockenheitsverträgliche Pflanzen schaffen vielfältigere Lebensräume. Solche Strukturen erhöhen jedoch Gewicht und Pflegebedarf und sollten deshalb geplant statt zufällig ergänzt werden.
Sanierung bestehender Gründächer
Wenn Vegetation lückig wird oder Wasser stehen bleibt, ist nicht automatisch nur Nachpflanzen nötig. Verdichtetes Substrat, verstopfte Dränage oder eine geschädigte Abdichtung können die Ursache sein. Vor einer umfassenden Erneuerung sollte der Aufbau schichtweise beurteilt werden, damit die eigentliche Schwachstelle behoben wird.
Dachrand und Anschlusshöhen
Substrat und Vegetation dürfen Abdichtungsanschlüsse an Attika, Türen oder technischen Aufbauten nicht überdecken. Kies- oder Kontrollstreifen halten diese Bereiche zugänglich und reduzieren direkten Bewuchs. Bei niedrigen Anschlusshöhen kann eine nachträglich dickere Begrünung technisch problematisch werden.
Typische Fehler
- Gewicht wird nur im trockenen Zustand betrachtet.
- Gartenerde wird statt geeignetem Dachsubstrat verwendet.
- Abläufe verschwinden unter Vegetation oder Kies.
- PV-Module werden so dicht gestellt, dass Wartung und Pflanzenpflege kaum möglich sind.
- Pflegeaufwand wird mit «wartungsfrei» verwechselt.
