Die Abklatschtechnik ist eine dekorative Maltechnik, bei der eine noch feuchte Farbschicht mit Folie, Papier, Stoff, Schwamm oder einem ähnlichen Material strukturiert wird. Je nach Vorgehen wird Farbe aufgenommen, verschoben oder unregelmässig verteilt. Dadurch entstehen wolkige, marmorierte oder lebhaft strukturierte Oberflächen. Die Technik wirkt spontan, verlangt aber einen sehr gleichmässigen Arbeitsrhythmus, damit keine sichtbaren Ansätze entstehen.
- Der Untergrund muss tragfähig, sauber und gleichmässig vorbereitet sein.
- Grundfarbe und Effektfarbe sollten vorab auf einer Musterplatte getestet werden.
- Nur so grosse Teilflächen beschichten, wie innerhalb der Offenzeit strukturiert werden können.
- Werkzeug oder Folie regelmässig wechseln beziehungsweise neu falten, damit das Muster nicht stumpf wird.
- An Wandkanten und Arbeitsunterbrechungen entstehen die meisten sichtbaren Ansätze.
Wie funktioniert die Abklatschtechnik?
Zuerst erhält die Wand einen deckenden Grundanstrich. Nach ausreichender Trocknung wird eine zweite, meist lasierende oder andersfarbige Schicht aufgetragen. Solange diese noch offen ist, wird das Strukturmaterial auf die Oberfläche gedrückt und wieder abgehoben.
Je nachdem, wie viel Farbe aufgenommen wird, bleibt die Grundfarbe stärker sichtbar oder die Effektfarbe dominiert.
Untergrund vorbereiten
Dekorative Techniken kaschieren schlechte Untergründe nur begrenzt. Risse, Spachtelstellen, unterschiedliche Saugfähigkeit und alte glänzende Beschichtungen können sich später deutlich abzeichnen. Die Wand sollte deshalb trocken, tragfähig, staubfrei und gleichmässig saugend sein.
Bei stark unterschiedlichen Flächen kann eine geeignete Grundierung notwendig sein.
Grundfarbe auswählen
Die Grundfarbe bestimmt den Farbton, der zwischen den strukturierten Bereichen sichtbar bleibt. Geringe Kontraste wirken ruhig und mineralisch, starke Kontraste deutlich dekorativer. Auf grossen Wänden kann ein Muster kräftiger wirken als auf einer kleinen Karte.
Für zeitlose Innenräume sind zwei verwandte Farbtöne meist einfacher zu integrieren als extreme Hell-Dunkel-Kontraste.
Effektschicht auftragen
Die zweite Schicht wird gleichmässig und in überschaubaren Abschnitten aufgetragen. Wichtig ist die Offenzeit: Trocknet die Farbe bereits an, bevor sie strukturiert wird, entstehen harte Ränder und das Werkzeug nimmt kaum noch Material auf.
Bei grossen Wänden arbeiten zwei Personen oft kontrollierter – eine trägt auf, die andere strukturiert.
Folie, Papier oder Stoff?
Zerknitterte Folie erzeugt relativ klare, unregelmässige Strukturen. Papier kann feinere oder kantigere Muster hinterlassen, ist aber je nach Farbe nur begrenzt wiederverwendbar. Stoff erzeugt weichere Effekte. Auch Natur- oder Effekt-Schwämme sind möglich.
Das gewählte Material sollte auf der gesamten Wand konsequent verwendet werden, wenn ein zusammenhängendes Erscheinungsbild gewünscht ist.
Muster variieren, aber nicht chaotisch
Wird Folie immer exakt gleich aufgedrückt, entsteht ein erkennbares Wiederholungsmuster. Wird sie nach jedem Abdruck neu gefaltet oder gedreht, wirkt die Fläche natürlicher. Gleichzeitig sollte Druck und Farbaufnahme ähnlich bleiben.
Ein häufiger Fehler ist, einzelne «zu leere» Stellen später stark nachzubearbeiten. Dadurch entstehen dunkle Flecken.
Anschlüsse und Ecken
Innenecken, Fensterlaibungen und Türanschlüsse benötigen kleinere Werkzeuge oder sorgfältig gefaltete Folie. Die Effektfläche sollte möglichst nass in nass bis an die Kante geführt werden. Klebebänder werden entfernt, bevor dicke Farbkanten vollständig aushärten.
Musterfläche vor der ganzen Wand
Eine Musterplatte oder ein abgegrenzter Wandbereich zeigt nicht nur den Farbton, sondern auch Arbeitsweise, Werkzeug und gewünschte Dichte. Idealerweise wird die Probe unter dem späteren Tages- und Kunstlicht beurteilt.
Erst danach werden Materialmenge und Arbeitsabschnitte festgelegt.
Reparaturen
Eine dekorativ strukturierte Fläche lässt sich schwer punktuell ausbessern, ohne dass die Reparatur sichtbar bleibt. Kleine Schäden können teilweise in das vorhandene Muster integriert werden. Bei grösseren Stellen ist es oft besser, einen ganzen logisch begrenzten Wandabschnitt neu zu gestalten.
Schutz und Reinigung
Ob eine zusätzliche Schutzschicht sinnvoll ist, hängt vom verwendeten Farbsystem und der Nutzung ab. In Fluren oder stark beanspruchten Bereichen kann eine robuste, zum System passende Versiegelung helfen. Sie verändert jedoch Glanz und Farbtiefe und sollte deshalb ebenfalls auf der Musterfläche getestet werden.
Geeignete Räume und Stilwirkung
Abklatschtechnik wirkt besonders gut auf einzelnen, bewusst ausgewählten Wandflächen. In Räumen mit vielen Möbeln, Bildern und Materialien kann eine stark strukturierte Oberfläche schnell konkurrieren. Ruhigere Varianten eignen sich besser für grössere Flächen. Vor der Ausführung sollte deshalb nicht nur das Muster selbst, sondern die gesamte Wand mit Licht, Möblierung und angrenzenden Oberflächen beurteilt werden.
Arbeitslicht
Während der Ausführung ist seitliches Arbeitslicht hilfreich, weil es Strukturunterschiede und Ansätze früh sichtbar macht. Eine Fläche, die bei diffusem Licht gleichmässig erscheint, kann bei Streiflicht deutlich unruhiger wirken. Das spätere Beleuchtungskonzept sollte deshalb bereits bei der Musterfläche berücksichtigt werden.
- Spachteltechnik, Farbwahl und Farbrechner.
- Anstrich für Grundlagen des Beschichtungsaufbaus.
Typische Fehler
- Die gesamte Wand wird eingestrichen, bevor mit dem Strukturieren begonnen wird.
- Das Werkzeug wird immer gleich aufgesetzt und erzeugt ein künstliches Wiederholungsmuster.
- Untergrundunterschiede bleiben unbehandelt.
- Farbkontrast wird auf einer kleinen Probe unterschätzt.
- Ein misslungener Bereich wird mehrfach nachgearbeitet und dadurch immer dunkler.