Passivhäuser

Passivhäuser

Ein Passivhaus ist ein Haus, welches einen Jahresheizwärmebedarf von unter 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche aufweist. Der Primärenergiebedarf einschliesslich Wasser und Haushaltsstrom muss unter 120 kWh/m2 pro Jahr liegen. Ob ein Haus luftdicht ist, wird mit einem Drucktest überprüft.

Passivhäuser sind Gebäude, die ohne traditionelles Heizsystem und ohne Kälteanlagen ganzjährig einen hervorragenden Nutzungskomfort für Wohnen und Arbeiten bieten.

Der ausserordentliche Wärmeschutz und die konsequente Luftdichtigkeit der Bauhülle, verbunden mit einer hocheffizienten Energienutzung und einer systematischen Lufterneuerung, machen das Passivhaus möglich.

Warum Passivhäuser bauen?

In der Schweiz ist Minergie als Standard für energieeffizientes Bauen bekannt und von den Kantonen unterstützt. Der Minergiestandard ist mit geringen Mehrkosten realisierbar und sollte eigentlich bald eine Selbstverständlichkeit werden.

Der Passivhausstandard, in der Schweiz neu Minergie plus, geht deutlich weiter als der Minergiestandard.

Der Wärmeschutz wird so stark verbessert, dass auf ein konventionelles Heizsystem verzichtet werden kann. Die Räume sind so gut gedämmt und die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage so effizient, dass die Innentemperatur, Tag und Nacht, Sommer und Winter praktisch konstant bleibt. Kleine Korrekturen können durch leichte Erwärmung oder Kühlung der Zuluft erfolgen.

Superwärmedämmung

Was muss man sich unter einer Superwärmedämmung vorstellen? Die konsequente Dämmstrategie beginnt bereits mit einer kompakten Gebäudeform. Je kompakter die Form, desto kleiner die Verlustfläche. Ein klarer Dämmperimeter trennt die warmen und kalten Räume. Das heisst zum Beispiel, dass die Kellertreppe nicht im Haus, sondern ausserhalb liegt. Die Gebäudehülle wird durchgehend mit 30 bis 40 cm Wärmedämmstoff gedämmt. Diese Dämmstärke macht einiges klar: Konventionelle, alte Konstruktionen können das nicht mehr verkraften, neue Systeme sind gefragt. Es wird auch klar, dass einfache Formen und einfache Details zwingend sind, um eine wärmebrückenfreie Konstruktion zu ermöglichen.

Durch die verstärkte Dämmung rund ums Hans verzichtet man lieber auf Lukarnen und ähnliches.

Dank wirklich revolutionären Fortschritten in der Fensterherstellung sind die Fensteröffnungen keine Schwachstelle in der Gebäudehülle. Spezielle Dreifachsuperwärmedämmgläser in speziell gedämmten Fensterahmen ermöglichen Passivhausstandart auch im Fensterbereich.

Wie man sich vorstellen kann, ist dieser Dämmstandart so gut, dass der Wärmeverlust durch Wände, Decken und Böden praktisch vernachlässigt werden kann. Der Wärmeverlust durch den natürlichen Luftwechsel durch Ritzen und Fugen wird nun umso wichtiger. Die Luftdichtigkeit der Gebäudehülle ist deshalb im Passivhaus zur Minimierung des Wärmeverlusts und als Voraussetzung der Wärmerückgewinnung so wichtig wie die Wärmedämmung. Mit grosser Sorgfalt muss die Luftdichtigkeit geplant und ausgeführt werden.

Grosse Durchdringungen der Gebäudehülle, wie Abluftabzugshauben in der Küche, Katzenschleusen und offene Feuerstellen müssen vermieden werden. Diese kompromisslose Superdämmung schafft nun die Möglichkeit auf eine Heizung zu verzichten und mit dem gleichen Geld eine Wohnungslüftung zu realisieren. Dank besserer Luftqualität steigt der Wohnkomfort.

Wärmerückgewinnung

Passivhäuser werden über eine Komfortlüftung ständig mit frischer Luft versorgt.
Dies geschieht genau in der Menge, die für eine gute Raumluftqualität erforderlich ist (etwa 30m3 pro Stunde und Person). Mittels einer sehr effizienten Wärmerückgewinnung (Wärmebereitstellungsgrad grösser als 80%!) wird die Wärme aus der Abluft auf die einströmende Frischluft übertragen. Dabei werden die Luftströme nicht vermischt. An besonders kalten Tagen wird bei Bedarf die Zuluft noch nacherwärmt. Die Nacherwärmung erfolgt mit einem Elektroeinsatz oder besonders effizient durch Latentwärmenutzung mit einer Kleinwärmepumpe.
Eine zusätzliche Vorerwärmung der Frischluft über einen Erdreichwärmetauscher (Zulufttemperatur immer über 8 Grad) senkt den Nachheizbedarf noch weiter und bietet im Sommer die Möglichkeit einer leichten Kühlung (ca. ein Grad Raumtemperatur).

Die ganze Haustechnik kann im Passivhaus in einem Kompaktgerät in der Grösse eines Kühlschranks zusammengefasst werden. Man stelle sich vor: Heizung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Warmwasser für eine Wohnung in der Grösse eines Kühlschranks. Das ist eine echte Sensation. Ein Gerät so einfach im Handling wie andere Haushaltsgeräte ersetzt Boiler, Heizung und Lüftungsgerät. Da liegt natürlich auch ein grosses Kosteneinsparungspotential.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Voraussetzung ist der wirklich konsequente Passivhausstandard. Die Energiemengen, welche mit dem Kompaktgerät eingebracht werden können sind minimal, der Luftwechsel entspricht einem normalen Luftwechsel in einem herkömmlichen Haus mit geschlossenen Fenstern (0.5 – 0.7). Fehler in der Konstruktion oder in der Bedienung (z.B. Gebäudeauskühlung durch Dauerlüften im Winter) kann dieses System nicht korrigieren. Voraussetzung ist eine konstante Temperatur übers ganze Jahr. Das heisst ganz klar auch die Vermeidung von Ueberhitzungen im Sommer durch entsprechende Sonnenschutzmassnahmen.

Die Lüftungsgeräte im Passivhaus werden oft mit herkömmlicher Lüftungs- und Klimatechnik verwechselt. Komfortlüftungsgeräte im Passivhaus sind sehr klein, sehr effizient und sehr leise. Sie können nicht heizen und kühlen wie eine Klimaanlage. Die umgesetzten Energiemengen sind minimal.

 

Stromeffizienz der Haushaltsgeräte

Durch die Ausstattung mit den im Moment effizientesten Haushaltsgeräten und Stromsparlampen wird der Stromverbrauch ohne Komforteinschränkung um mehr als 50% gegenüber dem Durchschnitt reduziert. Effiziente Geräte sind oft nicht teurer als durchschnittliche, wenn man die Stromkosteneinsparungen berücksichtigt.

 

Aktive Sonnenenergienutzung

Eine thermische Solaranlage kann 40 – 60% des gesamten Niedertemperaturwärmebedarfs des Passivhauses decken. Wegen dem geringen Restenergiebedarfs wird es sogar möglich, zu tragbaren Kosten mit einer Photovoltaikanlage den vollständigen Ausgleich des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energieträger zu realisieren.


Das Ende der passive Sonnenenergienutzung

Der Passivhausstandard wird vor allem mit einer radikalen Dämmstrategie erreicht. Die alten passiven Sonnenenergiehäuser haben aus energetischer Sicht ausgedient und die ausgeklügelten passiven Sonnenenergiegewinnungssysteme wirken heute etwas überinstrumentiert. Mit der konsequenten Verlustminimierungsstrategie können Häuser realisiert werden, die ohne grossen Aufwand praktisch keine Heizenergie mehr benötigen.

Auch im Passivhaus können richtig eingesetzte Südfenster einen beträchtlichen Beitrag von bis zu 40% an die Raumheizung machen. Es geht aber auch ohne.

Passive Sonnenenergienutzung wird in Zukunft mehr als eine Strategie zur Verbesserung der Wohnqualität gesehen werden, hier liegt die eigentliche Stärke dieses Konzepts. Beispiele in gut besonnten Gebieten der Schweiz zeigen, dass der Passivhausstandard mit weniger Dämmung und mehr Sonnenergienutzung auch erreicht werden kann.

Das Verhältnis von End- und Primärenergiebedarf entspricht
dem in Deutschland häufig angewandten „Primärenergiefaktor“ von 2,86.

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